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Verbietet Keksformen!

Text von Fritz Popp aus MEHR als du glaubst

 

Als sich vor vielen Jahren in unzähligen Haushalten die Brotschneidemaschinen bzw. die Allesschneider ungehemmt verbreiteten, stieg die Zahl der an- und abgeschnittenen Fingerspitzen weltweit eklatant an. Darüber spricht heutzutage kein Mensch mehr. Genau so wenig von einer anderen Gefahr für Finger, besonders bei Kindern, die von gefährlichen Extremwerkzeugen zum Backen ausgehen. Es handelt sich um den leichtsinnigen Einsatz von Keksformen. Wir vom „Verein verbietet Keksformen“, kurz: VVKF, möchten aufrütteln und darauf hinweisen. Es gibt 1000e vertuschte Fälle im Jahr! Noch aber fehlt gänzlich ein diesbezügliches Problembewusstsein. Anhand eines anonymisierten Fallberichtes aus O.Ö. möchte ich auf die Dringlichkeit hinweisen. Aber das Ganze kann natürlich überall stattfinden und findet auch allerorten statt. Ich zitiere:

 

DAUMEN STECKTE IN KEKSFORM FEST 

Eine Zehnjährige aus dem Bezirk X. ist mit einem Finger in einem Keksausstecher für Linzer Augen stecken geblieben. Die Berufs­feuerwehr konnte sie zwar wieder befreien, aber das Kind ist nun wohl zeitlebens traumatisiert und muss vermutlich hinkünftig zur Advents- und Weihnachtszeit therapeutisch begleitet werden. Das Mädchen half seiner Mutter am Sonntagnachmittag daheim beim vorweihnachtlichen Keksebacken. Dabei probierte die Zehn­jährige einen Ausstecher für Linzer Augen aus, der sich nach unten verengt und am Ende eine scharfe Schneide hat. Sie steckte den Daumen der rechten Hand in die Form. Dann konnte sie den Finger nicht mehr herausziehen.

Die Eltern versuchten zunächst durch Einschmieren des Fingers mit Butter und Seife und danach mit vorsichtigem Drehen ihr Kind zu befreien. Als das nichts half, fuhr die Familie in die Frauen- und Kinderklinik. Dort rückten die Ärzte mit chirurgischen Zangen an. Doch der Ausstecher aus Stahl widerstand der „Operation“. Mehrere Zangen gingen dabei kaputt.

Einer der Ärzte rief die Berufsfeuerwehr. Als die Feuerwehrleute eintrafen, weinte das Kind vor Verzweiflung und Schmerzen. Der Daumen war schon stark angeschwollen, etliche Personen standen um die kleine Patientin herum und konnten ihr nicht helfen. Die Feuerwehrleute schenkten dem Mädchen zuerst einen Stoffbären und lenkten es ein wenig von seinem Unglück ab.

Anschließend knackten die Feuerwehrleute mit einem besonders feingliedrigen, aber mit scharfer Klinge versehenen Seitenschneider aus ihrer Ausrüstung die Ausstechform. Weil sie besonders vorsichtig vorgehen mussten, dauerte die Befreiungsaktion rund eine Viertel­stunde. „Wir sind unter tosendem Applaus der Anwesenden wieder abgerückt“, freute sich Toni E. von der Berufsfeuerwehr X. über den gelungenen Einsatz. 

 

Aber niemand mehr dachte in diesem Moment an das traumatisierte Kind. Niemand kritisierte nachher den unseligen Umgang mit gefährlichen Werkzeugen. Keiner stellte das unsinnige Ritual grundsätzlich in Frage. Und das ist typisch. 

Zu Weihnachten steigt so jedes Jahr die Anzahl der verletzten Kinder und der verängstigten und über­forderten Erziehungsberechtigten. Alljährlich ereignen sich vorweih­nachtliche Tragödien. Und nicht immer ist die Feuerwehr so kompetent und so schnell zur Stelle. 

Wir vom VVKF, dem gemeinnützigen „Verein verbietet Keksformen“, treten für die Ächtung von Keksformen in Privathaushalten ein. Es kann einfach nicht angehen, dass jahraus jahrein Kinder für ein noch dazu unge­sundes Produkt verstümmelt und traumatisiert werden. Verzichte auch du auf Keksformen, rette einen Kinder­finger, damit fröhliche Kinder zu Weihnachten weiterhin ordentlich Flöte spielen können!

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