Eva Kapsammer

 

Eva Kapsammer, geb. am 31. Mai 1962, wohnhaft in Grieskirchen, OÖ. Sie ist ausgebildete Sonderpädagogin und unterrichtet angehende BehindertenbegleiterInnen. Daneben arbeitet sie als Beraterin in einer Frauenberatungsstelle. Neben vielen Aus- und Weiterbildungen absolvierte sie die Oberösterreichische Journalistenschule und arbeitete einige Jahre als Redakteurin. Sie ist verheiratet, Mutter dreier erwachsener Kinder und Großmutter einer Enkelin. 

 

Nachdem sie als Ghostwriterin zahlreichen Büchern redaktionell auf die Beine geholfen hatte, wagt sie nun ihren ersten eigenenFamilienroman.

 

  

Bücher

Ihr fror. Der Februartag des Jahres 1945 war kalt und windig. Sie wickelte ihre Jacke um die Taille, seufzte und wandte sich um. Sie schleppte sich zum Wasserhahn, griff nach dem Blecheimer und ließ reichlich Wasser einlaufen, um die Spuren ihrer Übelkeit vom Hof ihres Elternhauses wegzuschwemmen. Musste ja niemand wissen. Durfte ja niemand wissen …

 

Eva Kapsammer

Vor der gläsernen Tür


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Rezension von Mag. Andreas Claucig:

Vor der gläsernen Tür“ ist mehr als ein Familienroman. Im Buch wird wesentlich das Schicksalhafte im Leben der Protagonistin des Textes beleuchtet. Die junge, talentierte, hoffnungsfrohe Apollonia W. ist in eine schwierige Zeit geworfen: Ständestaat, 2. Weltkrieg, Befreiung durch die Alliierten.

Scheinbar aus dem Erzählfluss gefallen, wird der Leser in regelmäßigen Abständen mit dem Innenleben der alternden Apollonia vertraut, ihren Vorstellungen, (geplatzten) Hoffnungen, Zwängen. So gelingt der Autorin ein großer Wurf. Sie legt mehrere Blickwinkel an: historische, systemische, psychologische, schicksalhafte. Damit entsteht ein vielschichtiges literarisches Gewebe, das zumindest emotional-intuitiv Zwischenräume des Menschseins erschließt, die kognitiv schwer zu fassen sind. Das gelingt nicht zuletzt aufgrund des hohen Feingefühls in der Wortwahl.

Auch das Familiensystem, das politische System und nicht zuletzt das systematische Schweigen nach dem Grauen werden sichtbar, genauso wie geschlechtsspezifische Schicksale, typische Frauen- und typische Männerschicksale, ungeschönt, in ihrer - ihnen eigenen - Brutalität und Härte.

Das Buch beschreibt nicht nur, es erklärt auch. So arbeitet es nicht nur Zeitgeschichte auf. Es ist auch politisch, stellt es doch implizit die Frage nach den Grenzen des Mitmachens und berührt es doch ebenso implizit die Themen Zeitgeist und Ohnmacht. Berührend, mit scharfem Blick, erhellend, packend.