Boško Tomašević

 

geb. 1947 in Bečej (Wojwodina, Ex-Jugoslawien), ist Autor und Universitätsdozent. 2006 erhielt er die österreichische Staatsbürgerschaft. Zwischen 1990 und 2006 hielt er Vorlesungen aus Literaturtheorie, Poetik, Hermeneutik und literarischer Epistemologie an den Universitäten Freiburg im Breisgau, Göttingen, Nancy, Innsbruck, Wien und Berlin. 

Eckpunkte seines dichterischen Werkes sind die eleatische metaphysische Reflexion, das postmodernistische inter-textuelle Gespräch mit der europäischen Dichtertradition (W. Blake, J. Donne, F. Hölderlin, P. Valéry, R.M. Rilke, B. Pasternak, O. Mandel’štam, T.S. Eliot, E. Pound, G. Trakl, R. Char, P. Celan, J.L. Borges, S. Beckett) und die geistigen Aspekte des Dichtungsaktes selbst. In letzter Zeit thematisiert Tomašević immer mehr seine eigene Lebenserfahrung als Erlebnis der Verbannung, als ein Reden über die Vertreibung in die Heimatlosigkeit, und er versteht das Dichten emblematisch als Sprengung des Nahen, das „keinen Ufern gewidmet ist“.

Boško Tomašević ist Mitglied der Europäischen Akademie für Wissenschaft, Kunst und Literatur (Paris), Mitglied des französischen und österreichischen P.E.N., wie auch der Société des Gens de Lettres de France (Paris) und des Österreichsichen Schriftstellerverbandes (Wien).

Lebt als freier Autor in Wien.

Bücher

Die „Besinnung“ ist für jene geschrieben, die mit postmodernis-tischen Augen die Moderne zu Recht als verlorene Epoche betrachten, nach der sich – aufbauend auf ihrem geistigem Erbe – das Schicksal des Menschen in einer krisengeschüttelten Welt bis heute abspielt. Die Poesie vermag auf ihre Weise diesen Zustand aufzuzeigen und so aus einer Welt „flüchtiger Zeiten“ heraus, der keine Unsicherheiten des Jetzt, keine neuen Conditiones inhumanae fremd sind, Fuß zu fassen in der „flüssigen Ewigkeit“, die seit Jahrtausenden, seitdem es die Dichtkunst gibt, das menschliche Dasein in der Welt dichtet; die Dichtkunst ihrerseits hat sich mit der Erkenntnis abgefunden, dass „das Durcheinander menschlicher Grundverfassung für immer bleiben wird“. Ein solcher allgemein pessimistischer Standpunkt, ausgelegt im poetologischen Verständnis des Autors, dass ein Dichten sich bedürftig an ein Denken richtet, hindert den Leser nicht daran, seine Sinne mit Sympathie auf die wundersame Nachbarschaft von Dichten und Denken zu richten, die diesem Buch – gleich einem vorsokratischen Breviarium – einen besonderen Ton und Charme verleiht. 

 

Bosko Tomasevic

Besinnung